Hochsensibilität

Der Begriff "Hochsensibilität" beschreibt eine besondere Form der menschlichen Wahrnehmung. Hochsensible Menschen sind generell mit einer intensiveren Fähigkeit zur Reiz- und Informationsverarbeitung ausgestattet, als dies üblicherweise der Fall ist. Wissenschaftlich wird dieses Phänomen auf physiologische Unterschiede bei der Reizverarbeitung im menschlichen Nervensystem zurückgeführt ("Mehr Wahrnehmen, mehr Fühlen"). Der Begriff "Hochsensitivität" wird synonym verwendet, übersetzt vom englischen Ausdruck "Sensory Processing Sensitivity".

Die Bezeichnung hochsensibel bezieht sich nicht generell auf Menschen die besonders sensibel sind, sondern meint in diesem Sprachgebrauch ausschließlich Menschen mit einer besonders feinfühligen Wahrnehmung. Hochsensible Personen reagieren als Konsequenz anders auf bestimmte Situationen (z.B. Blickkontakt, große Menschenmengen, Berührungen, Geräusche, Hunger). Ihre höhere Empfänglichkeit wird von Hochsensiblen sowohl als Bereicherung als auch als Belastung empfunden. Je nach Alltagssituation entsteht für Hochsensible ein deutlich größeres Informationsangebot, welches kombiniert und verarbeitet werden muss. Eine Hochsensibilität äußert sich daher immer auch in einem ausgeprägten Ruhe- und Rückzugsbedürfnis.

Einige Eigenschaften von hochsensiblen Menschen sind ...

  • Wahrnehmung subtiler Details
  • Ausgeprägte Empathie und Emotionalität
  • Soziale und emotionale Feinwahrnehmung
  • Intensives Erleben von Natur, Musik, Kunst und Ästhetik
  • Hervorragendes Langzeitgedächtnis
  • Sehr vielseitige Interessen und Fähigkeiten
  • Perfektionismus
  • Starkes Harmoniebedürfnis
  • Ausgeprägter Altruismus und Gerechtigkeitssinn
  • Erhöhte Schmerzwahrnehmung
  • Positives Empfinden von Stille und Alleinsein

Teilweise können Hochsensible aufgrund Ihrer Eigenschaften sehr schnell komplexe und intuitive Entscheidungen treffen oder aber es entsteht im Gegenteil eine scheinbar verlängerte Verarbeitungsdauer von Ereignissen aufgrund der größeren "Informationsflut".

Ohne das Wissen über die eigene Hochsensibilität entsteht oft ein Gefühl der Andersartigkeit. Schätzungsweise sind nur etwa 10-15% der Bevölkerung als hochsensibel einzustufen. Der Kontakt zu anderen Hochsensiblen und das Wissen über die eigene Hochsensibilität werden deshalb meist als große Bereicherung empfunden. Generell finden sich auffallend viele Parallelen zu Hochbegabten.

    Aus der Kombination einer Hochsensibilität mit den individuellen Charaktereigenschaften eines jeden Menschen können im Leben viele Vorteile, aber auch Nachteile entstehen. Die Erforschung der (eigenen) Hochsensibilität, der gegenseitige Austausch und der positive Umgang mit den Auswirkungen der Hochsensibilität sind daher ein essentieller Teil der Aktivitäten im Netzwerk für Hochsensibilität.